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"Bitten - Worum? Weshalb?"

Diakon Gottfried Rempe

„Ich brauche nicht zu bitten, wenn ich etwas haben möchte. Meine Eltern geben mir auch so, was ich will.“
Diese Aussage eines Grundschülers im 4. Schuljahr klingt mir heute noch in den Ohren. Der größte Teil unserer Bevölkerung lebt in Wohlstand, ja nicht selten im Überfluss. Bettler sind in unseren Regionen selten. Verborgene Armut versteckt sich aus Scham.
An den drei Tagen vor „Christi Himmelfahrt“ finden in einigen Gemeinden die „Bitttage“ statt. Gläubige gehen in Prozessionen zu bestimmten „Pastoralen Orten“ (Feldkreuze -Kapellen - Bildstöcke) durch die Felder, um den Segen Gottes für eine gute Ernte zu erbitten. Leider ist dieser Brauch weitgehend aus der Mode gekommen. Auf den Feldern wachsen doch auch ohne das Segnen mit Weihwasser die Feldfrüchte, alles, was Menschen und Vieh als Nahrung brauchen. Kunstdünger und chemische Spritzmittel sind da viel effektiver!
Als Kind fand ich es beeindruckend, wenn eine singende und betende Gemeinde sich in aller Frühe auf den Weg zu einem Feldkreuz, einer Kapelle oder Bildstock machte, um Gott um das „Gedeihen der Feldfrüchte“ zu bitten. Die Menschen waren sich bewusst, dass die Gebete nicht der Garant für eine gute Ernte waren. Sie wussten, dass Dünger nicht fehlen durfte; aber sie vertrauten sich und ihre Arbeit der Fürsorge und Hilfe Gottes an. So war auch die Vaterunser-Bitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ eine zentrale Bitte, weil der Ausfall der Ernte durch Hagelschlag oder Trockenheit die Existenz bedrohte.
Wenn wir heute in der Zeitung lesen, dass Lebensmittel bedenkenlos weggeworfen werden, hier vor allem von jungen Menschen, dann scheint es eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass wir genügend, ja vielleicht sogar im Überfluss zu essen und zu trinken haben.
Wir alle sollten wieder etwas bescheidener und uns bewusster werden, dass wir in einem Teil der Welt leben, wo wir „aus dem Vollen“ schöpfen können, was ein sehr großer Teil unserer Menschheit nicht von sich behaupten kann.
Ich fände es angebracht und sicher für unser religiöses Leben sinnvoll, die Bitttage wieder aufleben zu lassen, wo sie, aus welchen Gründen auch immer, „abgeschafft“ wurden um so zu zeigen, dass wir als gläubige Menschen für die Bewahrung der Schöpfung Verantwortung tragen und um eine gerechte Verteilung der Güter bitten,  d i e Menschen in unsere Gebete einschließen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, denen ihr tägliches Brot, ihre Arbeit, mit der sie es verdienen und bezahlen könnten, nicht zur Verfügung stehen. Somit bekämen die Bitttage auch eine soziale und caritative Komponente!

Eine gute Zeit wünscht Ihnen
Gottfried Rempe, Diakon

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