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Das hat es so in dieser Weise noch nicht in unserem Erzbistum gegeben

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer

Unser Erzbischof hat versucht,  mit einem klassischen Postbrief alle Gläubigen in einem ihm wichtigen Anliegen zu erreichen. Ganz persönlich sollte diese Nachricht ankommen, nicht ganz allgemein über die digitalen Medien oder über den bekannten Weg des Verlesens eines Hirtenbriefs im Rahmen einer Eucharistiefeier. Dem Bischof war sein Anliegen so wichtig, dass er selbst Kosten von rund 230.000 € nicht gescheut hat, um ganz sicher zu gehen,  in jeder Familie  oder Lebensgemeinschaft, in der eine katholische Christin oder ein katholischer Christ lebt, seinen Brief wenigstens einmal vorhanden wissen zu können. Aus verwaltungstechnischen Gründen, und um Kosten zu sparen, sind diese Briefe mit nur einem Namen im Adressfeld versandt worden: In unserer zugegeben technischen Verwaltungssprache heißt dieser Name „Haushaltsvorstand“.  Und es ist dann der Name des männlichen Partners, wenn in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft zwei katholische Christen leben. Sie müssten also auch diesen Brief direkt oder indirekt bekommen haben.

Was aus diesem dringenden Anliegen des Bischofs geworden ist, hat mich in den letzten Tagen erst einmal sprachlos werden lassen: Ich wurde häufig auf diesen Brief angesprochen: Die Einen drückten ihren großen Ärger  darüber aus, dass sie als Frauen selbst nicht im Adressfeld namentlich vermerkt waren: Es sei zwar in der Anrede in diesem Brief zu lesen, dass er sich an „Damen und Herren“ wende. Aber das zähle jetzt auch nicht mehr: „Nein, ich bin dem Bischof wohl als Frau nicht so viel wert wie mein Mann, sonst wäre mein Name  auch im Adressfeld aufgetaucht.“ Die Anderen wollten von mir wissen, was sie jetzt eigentlich mit diesem Brief machen sollten: Beantworten? Weitergeben? Spenden? Andere wiederum haben mich gefragt, was denn eigentlich nun genau in diesem Brief stehe. Sie hätten ihn zwar gelesen, aber sie könnten beim besten Willen nicht verstehen, was der Bischof denn eigentlich sagen wolle. Und die Gruppe dieser Letzten setzte sich zusammen aus Akademikern, die es gewohnt sind, komplizierte Texte zu lesen und aus Menschen, die sich normalerweise in ihrem Alltag nicht mit längeren Texten beschäftigen müssen.

Alle diese Reaktionen haben in meinem Inneren zwei Gegenreaktionen hervorgerufen: Nämlich zu allererst einmal die Frage, ob es in unserer Kirche überhaupt noch so etwas wie eine Grundsolidarität im Miteinander gibt, ohne die ein gegenseitiges Verstehen gar nicht möglich ist. Oder ob die innere Distanz  zwischen den Vertretern der offiziellen Kirche und den Getauften mittlerweile schon so groß ist, dass ein wirkliches Verstehen gar nicht mehr möglich  und auch schon gar nicht mehr gewollt ist. Es erinnert mich an die Situationen von zwei Menschen, die sich gegenseitig über einen Fluss etwas zurufen möchten: Je breiter die Entfernung von einem Ufer zum nächsten ist, umso undeutlicher wird das zu verstehen sein, was sie sich gegenseitig mitteilen möchten.

Zum anderen aber ist mir der Inhalt des Briefes so wichtig, dass ich Ihnen jetzt noch einmal eine Übersetzung anbieten möchte: Der Erzbischof hat hier in einem sehr demütigen Akt versucht, Sie darüber zu informieren, dass er sich wegen des Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in der Kirche zutiefst schämt. Und er bittet Sie ganz persönlich darum, der Kirche wieder Vertrauen zu schenken. Denn er macht in dem Brief deutlich, dass alles Menschenmögliche versucht wird, zukünftig in der Kirche keine Strukturen mehr zuzulassen, die Missbrauchsfälle begünstigen oder sogar vertuschen könnten. Er bittet Sie, weiter in der Kirche den Weg des Glaubens zu gehen, auch dann, wenn es Ihnen vor dem Hintergrund der aufgedeckten Skandale schwer fällt.

Das hat es so in dieser Weise noch nicht in unserem Erzbistum gegeben.

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer

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