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Ein Wort zum Bräutigam der Maienkönigin

Diakon Guido Schütte

Nachdem ich mit Ihnen in der letzten Woche über die heilige Maria als junge, selbstbewusste Frau nachgedacht habe, die nach sorgfältiger Abwägung in aller Freiheit ihr Ja zur Mutterschaft des Gottessohnes gab, möchte ich nun Ihre Aufmerksamkeit auf den Mann lenken, den sie in ihr Herz geschlossen und als Ehemann ausgesucht hat.

Ich bin in einer St. Josephs-Pfarrei aufgewachsen, und dort haben mich stets die Predigten unseres Pfarrers zum Patronatsfest aufmerken lassen, der mit eindringlichen Worten die Bedeutung dieses Mannes für seine und unsere Zeit erklärte.

Es gibt kaum einen großen Heiligen, über den wir so wenig wissen wie über Josef von Nazareth. Wenn wir allerdings die Persönlichkeit seiner Verlobten betrachten, wird klar, dass ihre Zuneigung nur einem mehr als außergewöhnlichen Mann gelten konnte. „Ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit“.

Man muss sich vor Augen führen, was diesem Josef, noch bevor er für Maria eheliche Verpflichtungen übernehmen konnte, innerhalb kürzester Zeit alles zugemutet wurde: Völlig überraschend erfuhr er von einem Fremden, dass seine Verlobte ein Kind erwartet, allerdings nicht von ihm. Dann sollte er für wahr halten, dass der Heilige Geist die Vaterschaft dafür übernommen hat. Nach heutigem Partnerschaftsverständnis hätte er auch erwarten können, dass Maria ihn zumindest nach seiner Meinung, eher aber nach seiner Zustimmung fragt, bevor sie auf diese Jungfrauen-Schwangerschaft eingeht. Kurz nach der Stallgeburt musste er wegen des Kindes mit seiner Familie nach Ägypten flüchten. Später suchte er ihn tagelang, um sich dann noch schlaue Sprüche anhören zu müssen: Nichts als Ärger für einen gerechten, friedfertigen Menschen, der eigentlich nur ein geordnetes Leben führen wollte.

Dieses geordnete Familienleben stellte sich schließlich ein, blieb aber, wenn wir den spärlichen Quellen folgen, weiter außergewöhnlich. Die „Geschwister Jesu“, die die Schrift nennt, waren eher enge Verwandte als Halbgeschwister. Gemeinsame Kinder von Maria und Josef sind nicht bezeugt. So hat Josef wohl auch auf eine leibliche Vaterschaft und die in der jüdischen Gesellschaft so besonders hoch bewerteten Nachkommen verzichtet.

Ganz erstaunlich, dass Josef das alles in den Griff bekam. Und natürlich hat ihm Gott dabei geholfen. Aber daran muss man erst einmal glauben und sein Leben darauf ausrichten können! Das Übrige bewirkte seine offenbar unerschütterliche Liebe zu Maria.

Wir wissen nicht, wann Josef starb. Der heilige Hieronymus geht davon aus, dass Josef die Taufe Jesu nicht mehr erlebt hat. Außerbiblische Zeugnisse behaupten, dass Josef kurz vor dessen Kreuzigung in den Armen Jesu verstorben ist.

Der heilige Josef war ein Mensch, der sich mit ganzem Herzen und liebevoller Demut seiner Lebensaufgabe gewidmet hat, Diener Gottes, Ziehvater Jesu und Ehemann der heiligen Maria zu sein. Dabei hat er sich selbst ganz zurückgenommen – nicht etwa, weil er keinen eigenen Willen gehabt hätte, sondern weil er in freier Entscheidung den Willen Gottes über seinen eigenen gestellt hat. Eine Belohnung hat er zu Lebzeiten nicht dafür bekommen. Er war ein Mann, dessen Größe man erst auf den zweiten Blick erkennt. Aber achten Sie einmal darauf: Die meisten wahren Heiligen erkennt man erst auf den zweiten Blick.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Diakon Guido Schütte

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