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Entkrampft dem Drachen begegnen

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

In der letzten Ausgabe habe ich an Sie einen Text weitergegeben, der mit dem Titel „Der schwarze Punkt“ überschrieben war. Er lädt uns ein, vor allem das Helle und Gute zu sehen, was uns begegnet. Heute möchte ich Ihnen ein Bild vorstellen, das mich seit langer Zeit begleitet. Es erinnert mich immer wieder an eine Szene aus den berühmten „Harry Potter“-Romanen: Wo der etwas plumpe Halbriese Hagrid ein Drachenbaby aufzieht, das niedlich daherkommt, aber für seine kurze Lebensdauer schon ziemlich aggressiv ist – so „drachig“, dass es schon Feuer spucken kann und Hagrids imposanter Bart hin und wieder „verschröggelt“ wird.

Hier möchte ich Ihnen ein Bild vorstellen, bei dem es auch um ein Drachenbaby geht. Aber diesmal beschäftigt sich keine Fabelgestalt mit diesem kleinen Drachen, sondern die Hl. Margaretha. Das Bild ist im Original im Dom zu Bamberg zu sehen:

Auch hier ist ein kleiner Drache abgebildet. Die Hl. Margareta von Antiochia, (gestorben um 305) lebte in der Übergangszeit von der nicht-christlichen zur christlich geprägten Gesellschaft im römischen Reich. Ihr Vater war heidnischer Priester, ihre Amme war Christin. Margaretha sollte zur Ehe    mit einem nicht-christlichen Mann gezwungen werden. Sie verweigerte sich und wurde gefoltert. Im Kerker sei ihr der abgelehnte Ehegatte als ein Drache begegnet sein, gegen den sie aber erfolgreich gekämpft habe. Darum wird sie normalerweise als „Drachentöterin“ dargestellt – als weibliches Pendant zum hl. Georg. Auf diesem Bild ist dies aber anders: Sie spielt förmlich mit dem kleinen Drachen, der wie ein Schoßhund auf ihrer rechten Hand Platz genommen hat. Mit dem klaren Blick auf das Kreuz, das sie in ihrer Linken trägt, geht sie sehr entspannt, fast spielerisch mit dem Bösen um.

Dieses Bild hat für mich etwas unglaublich Entspanntes. Die vielen kleinen „Drachen“ in mir fordern mich nicht selten heraus, gegen sie anzukämpfen. Und manchmal scheinen sie mich wirklich „aufzufressen“: Gedanken voller Sorgen und Ängste, voller Zweifel und Verzweiflungen. Und es kann manchmal unendlich viel Kraft kosten, mich nicht von diesen Gedanken beherrschen zu lassen.

Wie entkrampfend wirkt da dieses Bild: Margaretha schaut auf das Kreuz und kann mit ihrem Drachen wie mit einem kleinen Haustierchen ohne Furcht umgehen: sie beherrscht dieses Böse mit ihrem kleinen, linken Finger, der gleichsam wie eine Spannungsleitung vom Kreuzstab ausgeht. Und die Konfrontation damit lässt den kleinen Drachen voller Anspannung zurückschrecken: Er weicht zurück, zeigt seine Krallen. Er ist bis in die Schwanzspitze abgespannt. Er spreizt die Flügel und ist kurz davor, davon zu fliegen.

Ich sehe hier verkündet: Seit meiner Taufe lebt das Leben des gekreuzigten und auferstandenen Herrn in mir. Das lässt meine vielen kleinen, inneren Drachen erschrecken und kann mir die Sorge nehmen, von ihnen bezwungen werden zu können. Letztlich auch nicht von dem „Oberdrachen“ – meinem Tod. Vielleicht würde diese Botschaft uns allen gut tun – in der Zeit des Übergangs von der christlichen in die nicht-christlich geprägten Gesellschaft.

Krankenhauspfarrer Edgar Zoor

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