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Die Glocken von St. Saturnina

Warum hat eine so alte Kirche kein historisches Geläut ?

Während unsere Pfarrkirche das letzte Jahrhundert weitgehend unbeschadet überstanden hat, sind die teilweise sehr alten Glocken in dieser Zeit bis auf die alte Präsenzglocke aus dem 13. Jahrhundert verlorengegangen.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges besaß die Pfarrgemeinde im Turm vier Glocken, eine davon gegossen vor 1350, eine weitere kleine um 1480, die dritte im Jahre 1644. Die vierte Glocke wurde 1875 von der Glockengießerei Heinrich Humpert in Brilon gegossen, dafür wurden eine alte Uhrschlagglocke (352 Pfund schwer) und die alte Messglocke (66 Pfund schwer) in Zahlung genommen.

Die neue Turmuhren-, Schlag- und Läutesteuerung in der Sakristei ...

Im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken von 1875 und 1644 beschlagnahmt und mussten abgegeben werden. Die Glocke von 1644 kehrte nach Kriegsende zunächst unversehrt wieder zurück, sprang dann aber 1932 und wurde von Humpert 1933 umgegossen. Im Zweiten Weltkrieg ging man „gründlicher“ vor: Fast der gesamte Glockenbestand wurde konfisziert, nur die seit längerem schadhafte überschwere C"-Glocke von 1350 blieb hängen.

1946 bestellte Pfarrer Struckmann bei Albert Junker, dem Nachfolger Heinrich Humperts, einem ehemaligen „Gescheraner“, vier neue Glocken A'-C"-D"-E" aus „Briloner Sonderbronze“, einer Erfindung Junkers während der Nachkriegsmangelwirtschaft, in der die benötigte Menge Zinn für echte Glockenbronze (eine Legierung aus 78% Kupfer und 22% Zinn) nicht zu bekommen war. Von diesem Geläut wurde nur die E"-Glocke, unsere heutige Angelusglocke, geliefert; kurz darauf schloss die britische Militärregierung die Gießerei wegen unerlaubter Vorratshaltung von Nichteisenmetallen, und auch die Vorauszahlungen der Pfarrgemeinde in Höhe von 2900 Reichsmark für die restlichen Glocken waren dahin.

..., deren Befehle hier im Turm umgesetzt werden.

1951 finanzierte der Staat im Rahmen seiner Patronatspflicht die Saturninenglocke (Grundton B'), gegossen unter Glockengießermeister Josef Feldmann bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher. Diese grandiose Glocke ist mit ihrem verblüffend reinen, fein aufgegliederten Klang, gepaart mit äußerlicher Schlichtheit, der eigentliche „Star“ des Neuenheerser Geläutes - passend zur Glockenpatronin; fünf Jahre später goss Feldmann, inzwischen Mitinhaber der Firma Feldmann & Marschel, die neun neuen Glocken (19091 kg) des Domes zu Münster (weshalb der Klang der Saturninenglocke im Geläut des Münsteraner Domes, insbesondere in der etwa gleich schweren Michaelsglocke, problemlos wiederzuerkennen ist).

1953 hat Pfarrer Löcker die ersten elektrischen Läutemaschinen angeschafft; unser heutiges Läutemotiv wurde erstmals vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation für neue Gußstahlglocken angeboten.

Läutemaschine der Sebastiansglocke (1496 kg)

1956 endlich erhielt die Pfarrkirche aus einem Guss vier weitere Glocken Es'-Ges'-As'-Des", gegossen unter Glockengießermeister Hans Hüesker bei Petit & Gebr. Edelbrock und passend zu der vorhandenen B'-Glocke von 1951. Damit besitzt sie erstmals in ihrer langen Geschichte ein großes, klanglich durchgängiges Geläut, das immer wieder wegen seiner Schönheit gelobt wird.

Übrigens: Die Ges'-Glocke konnte nur finanziert werden, weil für sie die am 9.September 1956 „zufällig“ gesprungene Glocke von 1350 mit ihrem erheblichen Materialwert in Zahlung gegeben wurde. Pfarrer Löcker hatte verschwiegen, dass es sich hier um eine historische Glocke handelte; allerdings hätte sie mit ihrem schon 1932 bemängelten Klang jedes harmonische Geläut zunichte gemacht.

Schlagwerk (vorn) und Läutemaschine (hinten) der Laurentiusglocke (806 kg)

Die wertvolle Präsenzglocke blieb vom Ersten Weltkrieg verschont, weil sie unter 20 kg wog. Im Zweiten Weltkrieg, den sie nicht „überlebt“ hätte, weil es dort mehr um das Verstummen der Kirchen als um die Gewinnung von Bronze ging, hat man sie glücklicherweise gar nicht erst als vorhanden angegeben.

Die letzte große Überholung der Glockenanlage erfolgte im April/Mai 2007. Die Glocken bekamen neue Eichenholzjoche, Lager und Armaturen und werden jetzt über die Läutemaschinen elektrisch gebremst. Außerdem wurde die alte elektromechanische Steuerung gegen eine programmierbare elektronische ausgetauscht.

Daten, Maße, Gewichte der heute vorhandenen Glocken


Läutefolge des Hauptgeläutes

Es' – Ges' – As' – B' – Des"‘

Läutemotiv des Plenums

Vereinigtes Te Deum- und Gloria-Motiv

Bewegte Masse (ohne Armaturen)

3420 kg +140 kg, ca. 3,6 Tonnen

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