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„Ich bin, weil du bist!“

Gemeindereferentin
Anne Frank

Es hängt in der Luft, an der Wand, vor dem Altar, an seinem üblichen Platz eben: Das neue Misereor-Hungertuch 2017/2018. Oft nehmen wir es erst auf den zweiten Blick wahr. Die Zeiten, in denen an jedem Fastensonntag ein Stück des Hungertuches betrachtet wurde, gehören wohl eher der Vergangenheit an. Wenn es mich interessiert, kann ich ja das ausgelegte Informationsmaterial lesen oder auf den Misereor-Sonntag warten, wo man traditionell ein Blick darauf wirft.

Dabei ist es nicht geschaffen, um ein Schattendasein zu führen, ganz im Gegenteil: Es soll aufmerksam machen. Es kann uns daran erinnern, dass wir in diesen Wochen in einer besonderen Zeit leben, die dem österlichen Treiben in unseren Supermärkten noch etwas voran stellt: Eine Zeit der Besinnung - auf mich selbst, mein Leben, vielleicht meinen momentanen Lebensstil und meinen Glauben; eine Zeit in der Verzicht nicht dazu dient, mich zu strafen und zu quälen, sondern den Blick frei machen kann auf das, was schon länger darauf wartet angeschaut oder (wieder)entdeckt zu werden.

Das Hungertuch dient in diesen Wochen vor allem aber als ein Werbeträger für den Gedanken der Solidarität. Solidarität mit den Schwachen, Verfolgten, Hungernden; mit denen, die gerade nicht „die Sonnenseite des Lebens“ erfahren, sondern „im Schatten“ leben. Dabei geht es ohne Frage um unsere finanzielle Unterstützung aber genauso wichtig ist die Auseinandersetzung mit den Gründen für die Ungerechtigkeiten in dieser Welt und die Erweiterung des eigenen Horizontes für andere Kulturen und  ihre Art zu leben oder das Leben zu betrachten.

„Ich bin, weil du bist!“, lautet die Überschrift zum diesjährigen Hungertuch. Es handelt sich dabei um ein afrikanisches Sprichwort, welches die Vorstellung ausdrückt, „dass es zum Menschsein dazu gehört, Teil eines Beziehungsnetzes mit Gott, den Mitmenschen und der Natur zu sein.“ (nach: Erste Lesehilfe zum Hungertuch, Misereor Homepage). Gemalt hat es der nigerianisch-deutsche Künstler Chidi Kwubiri.

Sein Werk zeigt uns zwei Menschen. Lediglich Kopf und Schultern sind zu sehen. Die Gesichter sind einander zugewandt, sie schauen den jeweils anderen an. Jede Person hat ihre eigene Leinwand, ihre eigene Farbe. Eine Seite strahlt ganz in gelb-goldenen Farbspritzern, die andere leuchtet türkis-grün. Ein weißer Streifen trennt beide Menschen voneinander und dennoch sind sie durch ihre Blicke und die gegenseitig auf die Schultern gelegten Hände und Arme miteinander verbunden.

„Ich bin, weil du bist!“ - Ich bin ich, ganz klar, aber nicht aus mir allein heraus, sondern weil andere vor mir da waren, die mir das Leben schenkten, mich nährten und erzogen, mich etwas lehrten, mir Vorbild waren und sind; mich anregten, meine Fähigkeiten und Stärken zu entwickeln. Und damit ist nicht allein die Ursprungsfamilie gemeint, denn zum Werden eines Menschen sind viele andere Menschen nötig. Begreifbar und fassbar wird dieser Gedanke, wenn Sie auf der Misereor-Homepage einen Blick in den kurzen Dokumentarfilm über den Künstler und die Entstehung des Bildes werfen. In einer der letzten Einstellungen des Filmes tanzt und singt der Künstler durch die ebenfalls tanzende und singende Kirchengemeinde seines nigerianischen Heimatdorfes und ruft in die Runde: „Ich bin sehr stolz auf dieses Dorf. Ich bin, weil ihr seid. Ich bin, weil ER ist.“

Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete zweite Fastenwoche, vielleicht mit den ein oder anderen Gedanken zum Ich und Wir, zu mir und den anderen, zum Woher und Wohin.

Ihre Anne Frank

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