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Nachlese zum 9. September 2018

Gemeindereferentin
Anne Frank

Erst läuteten die Glocken, dann röhrte es aus zwei Lautsprechern über den Kirchplatz:

„Es ist nicht Deine Schuld, wenn die Welt ist, wie sie ist,
es wär nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt!“

Mit dem Lied „Deine Schuld“ aus dem Jahr 2004 der Gruppe „Die Ärzte“, begann die Kundgebung auf dem Vorplatz der „Kirche zum verklärten Christus“. Sicherlich haben Sie durch die Tageszeitung oder andere Medien schon von dieser Aktion „#wirsindmehr – Kirche im Kreis Höxter zeigt Gesicht gegen rechts“ gehört. Dreihundert Menschen aus dem gesamten Dekanat Höxter sind zusammengekommen, um ein Zeichen gegen rechtsradikale Ideologien und Gewalt zu setzten. Viele bekannte Gesichter nehme ich wahr, Menschen unterschiedlicher Konfessionen oder auch bekenntnislos kommen friedlich miteinander ins Gespräch darüber, was sie in diesen Tagen bewegt, welche Werte dem einzelnen wichtig sind und wie bzw. ob sich diese im Alltag sichtbarer als bisher umsetzen lassen. Schön, dass so viele gekommen sind.

Natürlich gibt es auch die kritischen Stimmen, die an dieser Veranstaltung Anstoß nehmen, weil sie sich darüber Gedanken machen, dass wir leichtfertig über die Sorgen und Ängste vieler Bürger in unserem Land hinweggehen und sie gleich „in die rechte Ecke“ stellen, sobald sie ihre Gedanken öffentlich äußern. Davon war in den Gesprächen am Sonntag nichts zu spüren. Von vielen Mitchristen, die ich auf dem Kirchplatz gesehen habe, weiß ich, dass sie ihren Nächsten entweder durch ihr berufliches oder privates Engagement in schweren Situationen des Lebens beistehen und unterstützen – egal, welcher Herkunft sie sind.

Die Welt ist im Wandel, Konsumieren scheint unser einziger Lebenszweck zu sein. Und weil die Motoren unseres Wohlstandes die Welt in Bewegung setzen, rufen wir nach den einfachen Lösungen und einer starken Hand, die uns die „gute alte Zeit“ wieder zurückholt. Doch, die „alte Zeit“ sehen wir meistens in einem verklärten Licht und einfache Lösungen sind selten. Freiheit ermöglicht Vielfalt und Vielfalt ist Bereicherung und komplizierte Aufgabe zugleich. Ich bin froh, in Freiheit leben zu dürfen. Und auch wenn ich nur durchschnittlich mutig und umsetzungsstark bin, so war es mir als Gemeindereferentin wichtig, am Sonntag mein Gesicht zu zeigen gegen Gewalt und Rassismus und für eine vielfältige, freiheitlich demokratische Gesellschaft, in der wir uns mühen, friedliche Lösungen für all die Schwierigkeiten des Lebens zu finden.

Eine friedvolle Woche
für Sie und Ihre Familien,
Ihre Anne Frank

 

Was ist des Unschuldigen Schuld –
Wo beginnt sie?
Sie beginnt da,
wo er gelassen, mit hängenden Armen
Schulterzuckend daneben steht,
den Mantel zugeknöpft, die Zigarette
Anzündet und spricht:
Da kann man nichts machen.
Seht, da beginnt des Unschuldigen Schuld.

(Gerty Spies, Tutzing nach dem Zweiten Weltkrieg)

 

 

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