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Wie halten Sie es mit dem Beten?

Pfarrer Hubertus Rath

Liebe Schwestern und Brüder,

wie halten Sie es mit dem Beten? Morgens und abends, vor und nach dem Essen, ein Stossgebet zwischendurch? Nehmen Sie formulierte Gebete, oder sprechen sie eigene Gebete?

Manchmal bekomme ich ja mit, was Menschen beten. Und ich bin beeindruckt von dem Mann, der die Fahrt zur Arbeit zum Gebet für seine Familie nutzt, von der Frau, die sich an Anna und Maria wendet, weil die beiden wissen, was Frauen bewegt, und von der älteren Dame, die als erstes nach dem morgendlichen Augenaufschlag dafür dankt, dass sie noch da ist. Beeindruckend sind auch die Eintragungen in den Gebetbüchern, die in manchen Kirchen im Eingangsbereich ausliegen.

Meine Oma, gestorben 1972, sehe ich in meiner Erinnerung entweder beim Kartoffelschälen, beim Häkeln oder beim Beten, Rosenkranz oder aus einem Andachtsbüchlein.

Als erstes habe ich Morgen- und Abendgebete und Tischgebete kennengelernt. Tischgebete waren besonders wichtig, weil wir zusammen gebetet haben. Immer das jüngste Kommunionkind musste vorbeten. Es sind viele Jahre ins Land gezogen, bis ich diese Aufgabe an meine älteste Nichte weitergeben konnte.

Wann ich das „Vater unser“ kennengelernt habe, kann ich nicht mehr sagen, aber das „Gegrüßet seist du Maria“ habe ich auf der Fahrt zum Verwandtenbesuch in Hampenhausen gelernt. Mein Vater hat es mir vorgesprochen. Den Rosenkranz hat Tante Mia mit uns gebetet. Immer wenn sich ihr Besuch ankündigte, haben mein Bruder und ich noch schnell die Gesätze auswendig gelernt.

Aus gegebenem Anlass kamen Gebete für Kranke und Verstorbene hinzu, Gebete aus dem Gotteslob, Jugendgebetbücher. Im Priesterseminar machte ich mich mit dem Stundengebet vertraut und ganz wichtig wurde mir der Tipp meines Heimatpfarrers Karl Becker, nach jedem Hausbesuch für die Besuchten zu beten. Durch Pfarrer Willi Koch wurde wieder ein Gebet geweckt, dass tief in der Erinnerung eingeschlummert war: „Ich weiß, daß du mein Vater bist“. Ich kenne Bammel-Gebete vor der Mathearbeit, vor der ersten Predigt und eben ihr Gegenteil, das Dankgebet, wenn etwas überstanden war und nicht schlecht überstanden war.

Neben allen berufsbedingten Gebeten prägen heute kurze situationsbezogene Gebete mein Gebetsleben. Sie sind mir wichtig, weil sie aus einer inneren Berührtheit und Betroffenheit, positiv oder negativ, entstehen und mich mal kurz zu einem Gespräch mit Jesus veranlassen. Sie sind mir wichtig, weil sie auch kurze Momente der Achtsamkeit sind, von der ich letzte Woche geschrieben habe: Von was lasse ich mich anrühren und welche Saite schlägt es in meinem Inneren an?

Ein Text über das Gebet hat mich angesprochen, und ich trage ihn schon mehrere Monate mit mir herum. Er ist von dem Schweizer Schriftsteller und evangelischen Pfarrer Kurt Marti: „Du, da du alles schon weißt, mag ich nicht beten – tief atme ich ein, lang atme ich aus und siehe: Du lächelst.“

Lassen auch Sie sich anlächeln, das wünscht Ihnen
Hubertus Rath, Pfarrer

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